Mann auf Massagebank in der Dusche

PAVK - Gefährlich, doch oft nicht erkannt

Versorgung der Patienten muss verbessert werden

Die Versorgung von Patienten mit Peripherer Arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) muss verbessert werden, forderten Experten bei einem Pressegespräch Ende März in Berlin. Nicht zuletzt deshalb, weil der Krankheit häufig eine generalisierte Atherothrombose zugrunde liegt, bei der zusätzlich ein erhöhtes Risiko für lebensgefährliche Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht.

Patienten mit Peripherer Arterieller Verschlusskrankheit (PAVK), im Volksmund auch Schaufensterkrankheit genannt, wird oft unterstellt, ihre Krankheit durch ihre Lebensweise selbst verschuldet zu haben. Dies trifft aber nur teilweise zu, denn die Ursachen der PAVK sind vielschichtig.

Neben Lebensstilfaktoren wie ungesunde Ernährung oder Rauchen kommen weitere Risikofaktoren infrage, die die Ausbildung der Erkrankung begünstigen können, z.B. fortgeschrittenes Lebensalter, ein bestehender Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder eine vererbte Neigung zur Ausbildung dieser Krankheit (genetische Disposition).


Das Problem bei der PAVK: Nur bei etwa einem Fünftel der Patienten mit PAVK treten Beschwerden - meist Schmerzen in Gesäß, Oberschenkeln oder Waden - beim Gehen auf. Die Mehrzahl der Betroffenen bleibt jedoch beschwerdefrei, oder machen das Älterwerden für Beinschmerzen beim Gehen verantwortlich. Die Konsequenz: „Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist unterdiagnostiziert, unterschätzt und unterbehandelt", machte Prof. Dr. med. Curt Diehm, Chefarzt der Abteilung für Gefäßmedizin am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach bei dem Pressegespräch in Berlin deutlich.

70% der PAVK-Patienten versterben an einem Herzinfarkt!

Laut Diehm sterben 70% der PAVK-Patienten an einem Herzinfarkt, 5% an einem Schlaganfall oder anderen, die Gefäße betreffenden Komplikationen. Studien zufolge besteht bei Patienten mit PAVK-Symptomen verglichen mit Patienten ohne PAVK ein vier- bis siebenfach erhöhtes Risiko für einen tödlichen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Diehm und seine Kollegen fordern daher, das Management der PAVK, also die Maßnahmen zur Erkennung und Behandlung der Erkrankung, in der Praxis zu verbessern. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Facharztgruppen, z.B. Allgemeinmedizinern, Herzspezialisten und Gefäßchirurgen, sei dafür unerlässlich, so Diehm.

Screenings zur Früherkennung gefordert

Ob eine PAVK vorliegt, kann mittels einfacher Verfahren, z.B. durch Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial-Index, ABI), auch in der Praxis festgestellt werden. Hierbei wird der systolische Blutdruck in Armen und Beinen gemessen und der Quotient aus beiden gebildet. Ein normaler ABI liegt bei 1,0 und zeugt von einem identischen Blutstrom in den oberen und unteren Gliedmaßen. Ein ABI unter 0,9 ist ein Indiz für eine arterielle Durchblutungsstörung in den Beinen und zudem ein verlässlicher Marker für ein gesteigertes Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung und Sterblichkeit.

Behandlung muss entsprechend dem speziellen Krankheitsbild erfolgen

Bei der Behandlung der PAVK stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Eine entscheidende Rolle spielt die medikamentöse Therapie mit Thrombozyten-Aggregationshemmern, z.B. Clopidogrel. Diese hilft nicht nur gegen die PAVK, sondern beugt nachweislich auch wirksam einem Herzinfarkt und anderen kardiovaskulären Ereignissen vor. Laut aktueller Therapieleitlinie (TASC-II) sollte die Behandlung mit Thrombozyten-Aggregationshemmern spätestens beginnen, wenn sich die ersten Beschwerden der PAVK einstellen.

Daneben können ein Gehtraining und ggf. eine Umstellung des Lebensstils, etwa eine Ernährungsumstellung, Raucherentwöhnung oder verbesserte Bewegung, die Durchblutung der Beine verbessern. Ggf. müssen zusätzlich bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, oder Fettstoffwechselstörungen medikamentös behandelt werden.

Patienten mit fortgeschrittener PAVK stehen moderne operative Verfahren wie gefäßerweiternde Operationen (z.B. Ballonkatheter) oder die Bypass-OP zur Verfügung. Diese Verfahren helfen, spätere Amputationen von Gliedmaßen zu vermeiden.


Quellen:
Nach Presseinformationen von Sanofi-Avenis in Zusammenarbeit mit Priv.-Doz. Dr. med. Reinhardt Sternitzky , Praxisklinik Herz und Gefäße der TU Dresden, und Prof. Dr. med. Curt Diehm, Chefarzt der Inneren Abteilung /Abteilung für Gefäßmedizin am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach (u.a.)


Autor: BSMO Redaktion
Stand: 16-06-2008




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