Herzschrittmacher
Dem Herzen auf die Sprünge helfen
Sie sind kaum größer als eine Geldmünze und haben doch eine lebenswichtige Aufgabe zu erfüllen: Herzschrittmacher (Pacemaker) helfen zu langsam oder unregelmäßig schlagenden Herzen, den Herzschlag zu stabilisieren.
Das Herz: Eine lebenswichtige Pumpe
Das Herz hat die Aufgabe, das Blut gleichmäßig durch den Körper zu pumpen, um alle Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, arbeitet das Herz wie eine Pumpe: Die Muskulatur der linken und rechten Herzkammer zieht sich zusammen und presst das Blut anschließend mit hohem Druck aus. Dieser Vorgang geschieht im Normalfall 60- bis 100-mal pro Minute und mehr als 100.000-mal pro Tag. Den Rhythmus dabei gibt der sogenannte Sinusknoten vor, eine Gruppe von speziellen Zellen im rechten Herzvorhof, die kleine elektrische Impulse aussenden. Diese Impulse führen letztendlich dazu, dass das Herz in einem bestimmten Takt schlägt.
Der Herzrhythmus ist nicht starr, sondern reagiert auf veränderte Anforderungen. So steigt die Herzfrequenz beispielsweise bei körperlicher Anstrengung, wenn mehr Sauerstoff im Körper bereitgestellt werden muss. Kann das Herz jedoch, etwa aufgrund einer Erkrankung des Sinusknotens oder einer anderen Störung, nicht mehr adäquat auf die Anforderungen reagieren, schlägt es unrhythmisch oder bei Belastung nicht schnell genug, kommt es zu einem Mangel an Sauerstoff. Schwindelanfälle, Bewusstlosigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit und unter Umständen lebensbedrohliche Zustände sind die Folge. Herzschrittmacher können das verhindern, indem sie den Herzrhythmus stabilisieren.
Vor 50 Jahren am 8. Oktober 1958 erhielt der erste Mensch einen Herzschrittmacher in die Brust verpflanzt. Seitdem haben sich die ehemals doch recht großen Geräte enorm weiterentwickelt. Ihre wichtigste Aufgabe: Den Herzschlag stabilisieren und Menschen mit Herzrhythmusstörungen dadurch ein weitgehend normales Leben ermöglichen.
Herzschrittmacher: Taktgeber für kranke Herzen
Ein Herzschrittmacher ist ein kleiner elektrischer Impulsgeber, der in eine kleine Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt wird. Er besteht aus einem Gehäuse aus Titan, in dessen Innerem sich ein elektronischer Schaltkreis und eine Lithium-Ionen-Batterie befinden. Der Schaltkreis sendet elektrische Impulse an das Herz und kontrolliert dadurch den Herzschlag. Moderne Herzschrittmacher greifen allerdings erst dann in den Eigenrhythmus des Herzens ein, wenn dieser zu langsam oder unregelmäßig wird. Sie "beobachten" also den Herzschlag und helfen nur, wenn es wirklich notwendig ist.
Verschiedene Krankheiten, verschiedene Schrittmachertypen
Für die verschiedenen Herzrhythmusstörungen stehen verschiedene Typen von Schrittmachern zur Verfügung. Einige kommen mit einer Elektrode aus, andere benötigen zwei. Diese Elektroden werden im Herzen platziert und sind mit dem Schrittmacher, der unter dem Schlüsselbein eingepflanzt wird, verbunden. Mithilfe der Elektroden überwacht der Schrittmacher die Aktionen des Herzens und kann seinerseits elektrische Impulse an das Herz aussenden.
Herzschrittmacher müssen regelmäßig kontrolliert werden
Herzschrittmacher arbeiten in der Regel mehrere Jahre. Allerdings müssen sie regelmäßig kontrolliert werden, um eventuelle Unregelmäßigkeiten oder Veränderungen rechtzeitig feststellen zu können. Nach einer gewissen Zeit - bei den modernen Geräten erst nach fünf bis zehn Jahren - verbraucht sich die Batterie des Schrittmachers. Das kann bei einer Kontrolluntersuchung anhand von Frequenzänderungen leicht erkannt werden. Da die Batterie fest mit dem Gehäuse des Schrittmachers verbunden ist, muss dieses komplett ausgetauscht werden. Manchmal ist es auch nötig, die Elektroden zu erneuern.
Die Kontrolluntersuchungen für Herzschrittmacher werden im Allgemeinen von Fachärzten für Innere Medizin (Internisten) mit Schwerpunkt Kardiologie oder Kinderärzten mit Schwerpunkt Kinder- Kardiologie durchgeführt. Andere Ärzte, z.B. Internisten ohne Schwerpunkt, Allgemeinmediziner oder Praktische Ärzte, dürfen die Kontrollen nur durchführen, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen. Die Betroffenen sollten die Untersuchungstermine unbedingt einhalten. Außerdem sollten sie sofort einen Arzt aufsuchen, wenn Beschwerden wie Schwindelanfälle, Bewusstlosigkeit, Herzstolpern oder -rasen, Brustschmerzen, Atemnot oder Rötung an der Implantationsstelle mit Fieber auftreten.
Worauf sollten Sie achten, wenn Sie einen Schrittmacher tragen?
Herzschrittmacher ermöglichen den Betroffenen, wieder ein weitgehend normales Leben mit körperlicher Anstrengung zu führen. Da der Schrittmacher praktisch direkt unter der Haut (unter dem Schlüsselbein) sitzt, sollten Patienten auf das Tragen schwerer Taschen, deren Gurt an der Implantationsstelle scheuern könnte, verzichten.
Vor dem Einfluss elektrischer Geräte sind die modernen Schrittmacher weitgehend abgesichert. Detektoren etwa, wie sie an Flughäfen zum Aufspüren von Waffen oder in Warenhäusern und Bibliotheken zur Diebstahlsicherung eingesetzt werden, beeinträchtigen normalerweise die Funktionstüchtigkeit von Herzschrittmachern nicht. Dennoch sollten sich Träger von Schrittmachern im Zweifelsfall beim Personal melden und ihren Schrittmacherausweis vorzeigen. Mobiltelefone können in der Herzschrittmacherambulanz auf eventuelle Einflüsse überprüft werden.
Schrittmacherpatienten sollten bei allen medizinischen Untersuchungen und Eingriffen Ärzte und medizinisches Personal über ihren Schrittmacher informieren. Zwar haben die meisten Untersuchungsmethoden keinen Einfluss auf einen Herzschrittmacher. Dennoch wird z.B. eine Magnetresonanztomographie (MRT) bei Schrittmacherpatienten nur in Ausnahmefällen und unter Aufsicht eines Kardiologen durchgeführt, um kein Risiko einzugehen.



