Hormontherapie

Clopidogrel und ASS

Doppelspitze gegen Herzinfarkt

Der Wirkstoff Clopidogrel senkt in Kombination mit ASS das Herzinfarktrisiko und die Gefahr eines erneuten Infarkts beträchtlich. Forscher wiesen neun Prozent weniger Todesfälle für die Medikamentenkombination nach.

Weltweit erleiden jährlich zehn Millionen Menschen einen Herzinfarkt, in Deutschland sind es fast 300.000 jedes Jahr. Zwar wurde die Notfallbehandlung bei Herzinfarkt in vergangenen Jahren wesentlich optimiert. Dennoch sterben noch immer etwa die Hälfte aller Patienten an den Folgen des Infarkts.

Clopidogrel in Kombination mit Aspirin

In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "The Lancet" berichteten Mediziner der Universität Oxford, wie deutlich mehr Menschen einen Infarkt überleben und Überlebende vor einem erneuten Infarkt geschützt werden könnten: Der Wirkstoff Clopidogrel scheint die Zahl der Todesfälle sowie die der Komplikationen zu reduzieren, wenn er bei Verdacht auf Infarkt in Kombination mit ASS (Acetylsalicylsäure) verabreicht wird. Der Wirkstoff Clopidogrel hemmt wie ASS die Zusammenballung der als Thrombozyten bezeichneten Blutplättchen. "Wenn man nur einer Million der zehn Millionen Infarktpatienten im Krankenhaus Clopidogrel zur Akuttherapie geben würde, könnten 5.000 Todesfälle und weitere 5.000 erneute Infarkte und Schlaganfälle verhindert werden", berichtete Studienleiter Zhengming Chen. "Wird die Behandlung nach der Entlassung fortgeführt, sind ein weiterer Nutzen und eine bessere Prognose zu erwarten."

Die Studie basiert auf Untersuchungen von fast 46.000 Patienten in China, bei denen infarkttypische Beschwerden und Veränderungen im EKG festgestellt wurden. Die Hälfte der Patienten bekam die Kombination aus Clopidogrel und ASS, die andere Hälfte erhielt ein Plazebo. Bei der Gruppe, die Clopidogrel erhalten hatte, kam es dabei zu neun Prozent weniger herzinfarktbedingten Todesfällen als in der Vergleichsgruppe. Die Häufigkeit erneuter Infarkte konnte ebenfalls gesenkt werden, und zwar um 14 Prozent.

Beta-Blocker vs. Medikamentenkombination?

In der gleichen Lancet-Ausgabe setzte sich selbiges Forscherteam mit der Gabe von Beta-Blockern bei akutem Herzinfarkt auseinander. Denn was die Anwendung von Beta-Blockern bei akutem Infarkt angeht, herrscht noch immer Uneinigkeit und Klärungsbedarf. Einige Fachkreise empfehlen die Einnahme von Beta-Blockern zur Notfallbehandlung, insbesondere bei Rhythmusstörungen und Bluthochdruck. Es besteht aber Unsicherheit, was den Nutzen angeht. Dies spiegelt sich in der Anwendungshäufigkeit der einzelnen Ländern wieder: In Großbritannien werden bei Herzinfarkt nur in 0,5 Prozent der Fälle Beta-Blocker verwendet, in Schweden hingegen in 54 Prozent der Fälle.Die Gruppe um Chen lieferte auch in diesem Zusammenhang wichtige Daten. Die Hälfte der 46.000 chinesischen Probanden hatten bei Herzinfarktverdacht einen Beta-Blocker bekommen, die andere Hälfte ein Scheinmedikament. Der Beta-Blocker konnte zwar die Gefahr eines erneuten Infarkts und von lebensbedrohlichem Kammerflimmern bei Infarktpatienten senken. Allerdings ging dies mit einem unerfreulichen Nebeneffekt einher: Das Risiko eines tödlichen kardiogenen Schocks, eines Herzversagens, bei dem die Pumpfunktion nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, in der Folgezeit wurde deutlich erhöht. Einen Nachteil hat die Aufnahme der Notfallbehandlung mit Clopidogrel ins Routineprogramm allerdings: Die Behandlungskosten würden enorm steigen und in manchen Ländern kaum finanzierbar sein. Während die Behandlung mit ASS zur Herzinfarkt Vorbeugung gerade mal auf drei Cent pro Tag kommt, würde eine zusätzliche Therapie mit Clopidogrel das Hundertfache kosten.


Quelle: Fachjournal The Lancet und Süddeutsche Zeitung
Autor: BSMO Redaktion
Stand: 14-11-2005




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