Wieder zu Hause
Nach dem Herzinfarkt heißt es: Kürzer treten
Angst und Niedergeschlagenheit sind nach dem Infarkt eine natürliche Reaktion. Schließlich hat der Patient eine lebensbedrohende Situation erlebt. Doch hilft es, wenn er sich klar macht: Ein weiterer Herzinfarkt lässt sich am besten vermeiden, wenn er im Alltagsleben den Kurs radikal ändert. Verhaltensmuster, die er in der Reha gelernt hat, sollte er also zu Hause fortführen.
Gerade Frauen und Männer, die Wert auf ein unabhängiges Leben gelegt haben, sind verunsichert und können sich ihre gesundheitliche Schwäche nur schwer eingestehen. Rücksicht auf die eigene Gesundheit zu nehmen ist vielen Infarkt-Patienten neu. Doch was sie in der Rehabilitation gelernt haben - etwa über Entspannung, Bewegung und Ernährung -, gilt es jetzt auch im Alltag umzusetzen. Nach einem Infarkt ist es wichtig, geduldig und behutsam mit sich umzugehen und Lebensgewohnheiten zu überdenken. So könnte sich der Infarkt-Kranke etwa fragen, ob der Stress und der 100-prozentige Einsatz wirklich immer notwendig waren.
Im Beruf mit den Kräften haushalten
Der Herzkranke muss nach einem Infarkt ökonomisch mit seinen Kräften umgehen. Will er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, sollte er vorher genauestens seinen beruflichen Alltag planen. Entscheidend ist, das Arbeitspensum an den Gesundheitszustand anzupassen. Ausreichende Erholungszeiträume sind nach dem Infarkt ebenfalls ein Muss im Berufsleben.
Urlaub: Tropen und Gebirge sind tabu
Im Urlaub sollte der Infarkt-Patient große Höhen- und Temperaturdifferenzen vermeiden. Reisen in die Tropen und ins Gebirge sind somit tabu. Die Fahrt sollte er zudem bequem gestalten. Bahnreisen bieten sich an, aber auch Autofahrten sollten kein Problem sein, sofern sie viele Pausen enthalten. Medikamente wie Nitrate oder Beta-Blocker beeinträchtigen das Autofahren nicht.
Ein besonderer Fall ist das Fliegen: Schon viele Gesunde haben Angst vor einer Flugreise. Bei Herzkranken kann sich diese Angst noch steigern. Sie ist sogar berechtigt, denn während des Fluges enthält die Luft nur vermindert Sauerstoff. Der Druckabfall in der Kabine und der psychische Stress tun ein Übriges. Experten empfehlen deshalb, nach einem Infarkt sechs Monate auf Flugreisen zu verzichten. Wenn der Patient allerdings noch täglich unter Angina pectoris, ausgeprägten Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz leidet, sollte er auch dann kein Flugzeug betreten.
Sex ist kein Leistungssport
Bei den meisten Patienten spricht nach dem Infarkt nichts gegen Sex. Viele überschätzen die Belastung und haben Angst vor einem erneuten Infarkt. Doch rein körperlich betrachtet, entspricht Geschlechtsverkehr etwa einem strammen Spaziergang. Entscheidend sind die Umstände, in denen Sex stattfindet. In einer festen Beziehung, die es gestattet, alle Wünsche auszusprechen, ist die Belastung viel geringer als in einer Affäre in fremder Umgebung.
Nicht so sehr die Häufigkeit, sondern viel mehr die gefühlsmäßige Bindung ist ausschlaggebend. Sexualität ist kein Leistungssport! Es empfiehlt sich, am Anfang auf die Penetration zu verzichten und sich gegenseitig auf andere Art zu stimulieren, um Versagensängste abzubauen. Bestimmte Positionen wie die Seiten- oder Rückenlage können für den Herzpatienten entlastend sein.



