Schlaganfall-Therapie
Forced-Use-Technik bei Armlähmung hochwirksam
Eine sehr wirkungsvolle Behandlungsmethode für Patienten mit Halbseitenlähmung nach einem Schlaganfall stellt die sogenannte Forced-Use-Technik dar. Dabei wird der gesunde Arm ruhig gestellt und die gelähmte Hand mit gezielten Übungen aktiviert. Die Methode kann die Funktionsfähigkeit der Hand erheblich verbessern. Sie funktioniert auch im Bereich der unteren Extremitäten.
Aufgrund bestimmter biologischer Vorgänge ist es Patienten kurz nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung oftmals nicht möglich, bestimmte Körperteile einer Körperseite zu bewegen. Ob aus Angst vor einer wiederholten Enttäuschung oder vor Schmerzen - viele lassen es auf weitere Versuche gar nicht mehr ankommen und schonen die betroffenen Extremitäten, indem sie fortan alles mit der gesunden Seite erledigen. Das Problem manifestiert sich: Über eine gewisse Zeit werden die betroffenen Körperpartien im Koordinationszentrum Gehirn quasi völlig vergessen, die Folge ist ein sogenannter gelernter Nichtgebrauch". Dieser lässt sich mittels Forced-Use-Technik in vielen Fällen wieder außer Kraft setzen.
Das Prinzip der Forced-Use-Technik
Das Prinzip dieser Technik ist einfach: Infolge eines Herzinfarktes kann es zum Absterben bestimmter Gehirnareale kommen, die für die Wahrnehmung und Bewegungssteuerung zuständig sind, entsprechend treten Lähmungen auf. Durch das gezielte Bewegungstraining können benachbarte Hirnregionen diese Funktionen zumindest teilweise übernehmen, sodass zwar keine vollständige Wiederherstellung der früheren, jedoch aber eine erhebliche Verbesserung der bestehenden Lebensqualität erreicht werden kann. Wichtige Tätigkeiten im Alltag (Ankleiden, Körperpflege) können wieder selbst ausgeführt werden.
Die Erfolge sind anhaltend und die Therapie wirkt selbst dann noch, wenn die Hirnverletzung oder der Schlaganfall bereits Jahre zurückliegen, auch bei Patienten, die bislang als austherapiert", also nicht weiter therapierbar, galten.
Und so funktioniert das Training
Teilweise Armlähmung stellt das klassische Anwendungsgebiet der Forced-Use-Technik dar. Inhalt ist ein standardisiertes 12-tägiges Trainingsprogramm nach Taub (Taubsche Therapie). Dabei wird der gesunde Arm zwölf Tage lang fixiert, mit dem gelähmten Arm wird an zehn Tagen jeweils bis zu sechs Stunden unter physiotherapeutischer Anleitung trainiert. Auch außerhalb der Therapiezeit sollen alle Bewegungen mit dem betroffenen Arm ausgeführt werden.
Wer profitiert?
Von der klassischen Therapieform profitieren Patienten, bei denen eine gewisse Restbeweglichkeit besteht, die anhand bestimmter Übungen festgestellt werden kann. Für stark bewegungseingeschränkte Betroffene wird die Behandlung in modifizierter Form angeboten. Darüber hinaus kann die Methode auch bei Lähmung der unteren Extremitäten (Beine) durchgeführt werden. Auch hier ist eine gewisse Restbeweglichkeit Voraussetzung, die Therapie dauert mindestens drei Monate. Ausgeprägte Wortverständnisstörungen, ausgeprägte neuropsychologische Störungen wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie bestehende Depressionen stellen Ausschlusskriterien bei allen Anwendungsbereichen dar.
Wer trägt die Kosten?
Die Methode wird ambulant in einigen neurologischen Rehabilitationskliniken, aber auch von einigen niedergelassenen Physiotherapeuten angeboten. Die Kosten belaufen sich auf knapp 3.000 Euro. Über eine Kostenbeteiligung durch die Krankenkassen wird bislang im Einzelfall entschieden. Wenden Sie sich hierfür an Ihre zuständige Krankenkasse und den durchführenden Arzt.



